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21.03.2016

11. Fernwärmetage des FGW in Velden

Die Veranstaltung „Fernwärmetage“ wird vom Fachverband Gas Wärme alljährlich zum Ende der Heizsaison abgehalten, um Expertinnen und Experten aus den Wärmeversorgungsunternehmen Gelegenheit zum Meinungsaustausch zu geben.

Auf Einladung der KELAG Wärme GmbH war heuer am 16. und 17. März das Casino Velden am Wörthersee Schauplatz der Veranstaltung.

In seiner Begrüßungsansprache betonte der Vorstandsdirektor des Energieversorgers KELAG-Kärntner Elektrizitäts-Aktiengesellschaft, DI Manfred Freitag, dass sein Unternehmen trotz schwieriger rechtlicher und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen bestrebt sei, als seriöser und verlässlicher Partner seiner Kunden zu agieren. Man verfolge im KELAG-Konzern die Strategie, den Herausforderungen des Marktes mit auf die Bedürfnisse der Verbraucher maßgeschneiderten Dienstleistungen zu entsprechen. Dabei erwähnte Freitag aber auch die Notwendigkeit, den Kunden klar zu machen, dass auch das Produkt Versorgungssicherheit einen Preis habe. Denn wenn sich die Preisspirale weiter wie bisher nach unten drehe, könnte das irgendwann sowohl für die Energieversorger als auch für die Verbraucher negative Folgen haben.

Vorträge zu aktuellen Themen

Ein Grund für den Erfolg der Fernwärmetage, die heuer bereits zum 11. Mal abgehalten wurden, ist die Möglichkeit, Experten-Vorträge zu aktuellen Themen zu hören und zu diskutieren. Das zweitägige Programm umfasste wirtschaftliche, rechtliche und technische Themen wie die Abwicklung des Energieeffizienzgesetzes oder die Abrechnung von Umweltförderungen; technische Innovationen u.a. der Einsatz von Solarthermie zur Wärmeversorgung und die Möglichkeiten von Niedrigtemperaturlösungen für die Einbindung erneuerbarer Energieträger; neue Dienstleistungen rund um das Produkt Fernwärme wie die Optimierung der Wärmeverteilung und Verbrauchsanalysen für große Abnehmer, insbesondere Krankenhäuser. Moderatorin Judith Weissenböck konnte zudem mit Michael Trybek einen Mann ankündigen, der unter dem Motto „Keine Panik – Humorkompetenz in schwierigen Zeiten“ die TeilnehmerInnen zum Schmunzeln, zum Tanzen, aber – mit der Schilderung seiner Erlebnisse als Clown-Doktor – auch zum Nachdenken brachte.

Den inhaltlichen Schwerpunkt der Fachvorträge bildeten die Themen Erneuerbare Energieträger und Energieeffizienz. Diese Ausrichtung passt auch ganz gut zum Gastgeber, der KELAG Wärme GmbH. Die 100%-Tochter des KELAG-Konzerns ist in Österreich einer der größten Anbieter von Wärme, die aus Abwärme und Biomasse stammt. Derzeit werden 30 Wärmenetze auf Basis von reiner Biomasse betrieben und es bestehen Abwärmepartnerschaften mit 19 Industrie-Unternehmen. Jährlich werden 500 GWh industrielle Abwärme in die Netze eingespeist, wobei das größte Netz der KELAG Wärme GmbH in Linz auf Grund der Partnerschaft mit der VOEST mit 90 % den höchsten Anteil an Abwärme aufweist. Geschäftsführer DI Günther Stückler kündigte bei seiner Präsentation des inner- und außerhalb von Kärnten tätigen Wärmeversorgers an, „diesen erfolgreichen Weg in eine nachhaltige Energiezukunft“ weitergehen zu wollen.

Exkursion Kraftwerk Forstsee

Dass es in der Gegend rund um den Wörthersee eine lange Tradition bei der Nutzung erneuerbarer Energie gibt, machte ein weiterer Programmpunkt deutlich: die Besichtigung des am Ufer des Sees gelegenen und seit 1925 in Betrieb befindlichen Kraftwerks Forstsee. Ein Ausflugsschiff brachte die TeilnehmerInnen zum im Stile der Wörtersee-Architektur errichteten Gebäude, das noch einen der ursprünglich 3 Maschinensätze enthält, eine Pelton-Zwillings-Turbine mit 2,4 MW Leistung. Das Wasser kommt aus dem 160 Meter höher gelegenen Speicher Forstsee. Für die Besucher wurde die historische, aber weiterhin für die Stromerzeugung genutzte Anlage in Betrieb genommen, so dass sie sich von der Funktionsfähigkeit der über 90 Jahre alten Maschinen überzeugen konnten.

Sinkender Wärmebedarf der Kleinverbraucher

Die wirtschaftlichen Zukunftsaussichten der Wärmeversorger und ihre strategischen Entscheidungen werden von einem Faktor ganz wesentlich beeinflusst: nämlich der Entwicklung des Wärmebedarfs in den kommenden Jahrzehnten. DI Dr. Andreas Müller von der TU Wien präsentierte in seinem Referat die Ergebnisse einer Studie, bei der die Auswirkungen von etwaigen zukünftig strengeren verpflichtenden Vorgaben zur effizienteren thermischen Sanierung und zur Energieeinsparung beim Neubau auf den künftigen Wärmebedarf der Haushalte untersucht wurde. Derartige Maßnahmen – die spätestens bis 2020 zu beschließen wären – würden dazu führen, dass bis zum Jahr 2050 der Energiebedarf für Warmwasser und Heizung gegenüber jenen des Jahres 2010 um 50–65 % sinkt.

Damit würde sich auch das momentan bestehende Fernwärmepotenzial, das unter wirtschaftlich vertretbaren Netzinvestitions-Kosten (<20 Euro je MWh und Jahr) erschlossen werden kann, um zumindest die Hälfte verringern. Für Fernwärme bedeutet das laut Experten Müller, dass es nur bis 2030, was die Summe der beheizten Geschossflächen betrifft, noch Zuwächse geben wird, vor allem im städtischen Bereich, wo wenig Alternativen für Fernwärme bestehen. Außerhalb der urbanen Gebiete werden Wärmepumpen-Systeme die großen Gewinner sein, gefolgt von Pellets-Kesseln.

Fernwärmeversorger stehen somit vor der Aufgabe, das zurzeit noch bestehende Potenzial möglichst „intelligent“ und damit wirtschaftlich auszubauen, u.a. durch Senkung der Temperaturen in den Netzen. Die eigentliche große Aufgabe wird aber die „Dekarbonisierung“ der Fernwärme darstellen, da Energieversorger mit weiteren Verschärfungen der Verpflichtungen zur CO2-Einsparung zu rechnen hätten. Daher muss in städtischen Gebieten ein geeigneter, sich ergänzender Erzeugungs-Mix entwickelt werden.

Alternative Solarthermie

Welchen Weg man zur Dekarbonisierung der Fernwärmeversorgung einschlagen könnte, wurde im Vortrag von DI Wolfgang Götzhaber vom Umweltamt der Stadt Graz deutlich. Fernwärme spielt in Graz zur Reduktion der Schadstoffbelastung der Luft eine wichtige Rolle und deckt ca. 40 % des Gesamtwärmebedarfs ab. Ein großer Teil der benötigten Wärme wurde bisher vom Kraftwerksstandort Mellach zur Verfügung gestellt. Da unsicher ist, ob diese Wärme auch nach 2020 noch zur Verfügung steht, hat man sich Alternativen überlegt. Schon bisher stammt ein kleiner Teil der über die Fernwärmenetze verteilten Energie aus Solarthermie, jetzt plant man aber in anderen Dimensionen: Südlich von Graz wollen die Energie Steiermark und das steirische Solartechnik-Unternehmen SOLID die größte Solarthermie-Anlage der Welt errichten. Wie SOLID-Geschäftsführer Dr. Christian Holter ausführte, umfasst die Maximalvariante 450.000 m2 Kollektorfläche und ein saisonales Erdspeicher-Becken mit einem Fassungsvermögen von 1,8 Millionen m3. Diese Anlagenkonfiguration soll jährlich rund 245 GWh liefern und damit ca. 20 % des Grazer Fernwärme-Bedarfs abdecken. Es liegt nun an den politischen Verantwortungsträgern der steirischen Landeshauptstadt, den Startschuss für dieses ehrgeizige Projekt zu geben.

Resümee

Die Steiermark ist demnächst nicht nur möglicherweise Standort der größten Solarthermieanlage der Welt, sondern auch – und das ist sicher – Schauplatz der Fernwärmetage 2017. Der Geschäftsführer der Steirischen Gas Wärme GmbH, DI Gerald Moravi, sprach im Rahmen des Gala-Abends die Einladung aus. Die KELAG Wärme GmbH wiederum dürfte den Entschluss gefasst haben, die Latte für die kommenden Fernwärmetage möglichst hoch zu legen und richtete einen sehr unterhaltsamen Abend mit eindrucksvollem Tanz- und Musikprogramm aus.

Für FGW-Geschäftsführer Mag. Michael Mock gaben die Vorträge bei den Fernwärmetagen 2016 in Velden klare Hinweise darauf, mit welchen Herausforderungen die Wärmeversorger in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zu rechnen hätten. Die Energieform Fernwärme bringe aber sehr gute Voraussetzungen mit, um Lösungen für die wichtigen Themen Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und die intelligent Nutzung erneuerbarer Energieträger zu entwickeln.

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