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13.08.2026

Fernkälte in St. Pölten wird ausgebaut

© Wolfgang Mayer, Ing. Wolfgang Mayer

Während Hitzewellen und Rekordtemperaturen immer häufiger werden, setzt St. Pölten auf eine innovative Lösung: Fernkälte. Diese Technologie, die ähnlich wie Fernwärme funktioniert, sorgt bereits im Universitätsklinikum und am FH-Campus für angenehme Temperaturen – und das auf nachhaltige Weise.

Kälte aus der Leitung: Wie funktioniert Fernkälte?

„Die Kälte wird in leistungsstarken Kältezentralen erzeugt“, erklärt Franz Gruber, Leiter der städtischen Klimakoordinationsstelle und Geschäftsführer der Fernwärme St. Pölten. Das Wasser wird auf etwa 6 Grad heruntergekühlt und über ein gut isoliertes Rohrleitungsnetz zu den angeschlossenen Gebäuden transportiert. Dort wird die Kälte über Wärmetauscher an Kühlsysteme wie Kühldecken oder Gebläsekonvektoren abgegeben. Mit rund 16 Grad fließt das Wasser zurück zur Kältezentrale, wo es erneut abgekühlt wird.

In St. Pölten wird dieses System bereits erfolgreich genutzt: Neben dem Universitätsklinikum wird auch der FH-Campus mit Fernkälte versorgt. „Durch die gemeinsame Versorgung mehrerer Gebäude sparen wir zahlreiche dezentrale Kälteanlagen“, betont Gruber. Das reduziert nicht nur den Platzbedarf in den Gebäuden, sondern senkt auch den Wartungsaufwand und erhöht die Betriebssicherheit.

Energieeffizienz und Klimaschutz

Fernkälte punktet vor allem durch ihre hohe Energieeffizienz. „Kältezentralen arbeiten deutlich wirtschaftlicher als viele kleine Einzelanlagen“, so Gruber. Dank moderner Kältemaschinen, intelligenter Steuerungssysteme und optimierter Betriebsführung kann der Energieverbrauch erheblich reduziert werden. Im Vergleich zu herkömmlichen Klimaanlagen sind Einsparungen von bis zu 70 Prozent möglich, während die CO₂-Emissionen um bis zu 50 Prozent sinken.

Ein weiterer Vorteil ist die Flexibilität bei der Energiequelle: „Moderne Anlagen können zur Kälteerzeugung unterschiedliche Energiequellen wie industrielle Abwärme, Abfallverbrennung, Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen oder erneuerbare Energien nutzen“, erklärt Gruber. Besonders Absorptionskältemaschinen ermöglichen es, überschüssige Wärme, die im Sommer ohnehin verfügbar ist, effizient zur Kälteproduktion einzusetzen.

St. Pölten als Vorreiter in Österreich

Die Entwicklung der Fernkälte in Österreich zeigt, dass diese Technologie großes Potenzial hat. Laut dem Fachverband Gas Wärme hat sich der Verkauf von Fernkälte in den letzten Jahren von 25 GWh auf 228 GWh mehr als verzehnfacht. Die Gesamtlänge des Fernkältenetzes wuchs von drei auf über 45 Kilometer. Auch in St. Pölten fließt mittlerweile Fernkälte – und die Stadt plant, das Netz weiter auszubauen.

„Als ressourcenschonende Möglichkeit zur Kühlung von Gebäuden ist der Ausbau der Fernkälte ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen Energie- und Klimastrategie“, betont Gruber. Ob zusätzliche Gebäude oder Stadtteile an das Netz angeschlossen werden können, hängt vom vorhandenen Kältebedarf, den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Leitungsinfrastruktur ab.

Herausforderungen und Zukunftsperspektiven

Der Ausbau von Fernkältenetzen ist jedoch mit Herausforderungen verbunden. Die Erstinvestition in die Leitungsinfrastruktur ist hoch, und das Netz muss sorgfältig hydraulisch geplant werden. Hochwertige Dämmung und optimale Dimensionierung der Leitungen sind entscheidend, um Transportverluste zu minimieren. Dennoch zeigt die Erfahrung in St. Pölten, dass Fernkältenetze über mehrere Kilometer wirtschaftlich betrieben werden können.

Die Fernwärme St. Pölten entwickelt sowohl zentrale als auch dezentrale Fernkältelösungen und prüft laufend, wie das Netz sinnvoll erweitert werden kann. Ziel ist es, weitere Abnehmer an die umweltfreundliche Kälteversorgung anzuschließen und so einen Beitrag zur Klimaneutralität der Stadt zu leisten.

Fazit

Fernkälte ist nicht nur eine Antwort auf die steigenden Temperaturen, sondern auch ein wichtiger Schritt in Richtung nachhaltiger Energieversorgung. Mit ihrer hohen Energieeffizienz, der Nutzung erneuerbarer Ressourcen und der Entlastung des Stromnetzes zeigt St. Pölten, wie innovative Technologien zur Klimaanpassung beitragen können. „Die Fernkälte ist ein wesentlicher Bestandteil einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Energieversorgung“, fasst Gruber zusammen.

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