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22.06.2017

Neuer Absatzrekord bei Fernkälte erwartet

Wiens größter "Kühlschrank": Fernkältezentrale Wien-Schottenring

Die kommende Hitzeperiode und der heurige Sommer werden für einen neuen Rekordabsatz bei Fernkälte sorgen. Im vergangenen Jahr wurden bereits 141 GWh Kälte abgesetzt.

Meteorologen erwarten für heuer einen Rekordsommer. Daher rechnet der Fachverband Gas Wärme „mit einem neuen Absatzrekord bei Fernkälte“, sagt Mag. Michael Mock, Geschäftsführer des Fachverbands. Der erwartete Absatzzuwachs steht im Zusammenhang damit, dass Unternehmen wie Wien Energie, die LINZ AG und die EVN die Fernkälteleistung bis 2020 weiter ausbauen

Die Wiener haben neben dem AKH mit dem Hauptbahnhof Wien den bis dato größten Fernkälteabnehmer der Republik. Sie planen die Fernkälteleistung in der Stadt in den kommenden drei Jahren auf rund 200 Megawatt (MW) zu steigern, was der Leistung von 1,3 Millionen herkömmlichen Kühlschränken entsprechen wird.

Die LINZ AG wiederum hat mit der Tabakfabrik Linz soeben einen großen neuen Gebäudekomplex an das derzeit mehr als 2.000 Meter umfassende Fernkältenetz angeschlossen. Die insgesamt elf MW Fernkälteleistung der Linzer entsprechen etwa 70.000 handelsüblichen Kühlschränken. Mit der kühlenden Energie werden außerdem das Musiktheater oder das Krankenhaus der Elisabethinen in Linz gekühlt. Auch in Niederösterreich wird Fernkälte ausgebaut, so ist bereits das Universitätsklinikum in St. Pölten von der Fernwärme St. Pölten und die Landeskrankenhäuser Baden, Mödling und Mistelbach von der EVN mit der umweltfreundlichen Kälte versorgt.

Fernkälteabsatz nahezu versechsfacht

Seit 2009 hat sich der Verkauf von Fernkälte auf dem österreichischen Markt von rund 25 Gigawattstunden (GWh) auf zuletzt rund 141 GWh nahezu versechsfacht. Die installierte Fernkälteleistung lag per Ende 2016 bei 131 MW. Damit liegt Österreich hinter Frankreich, Deutschland, Finnland, Italien und Norwegen auf Platz sechs. Während der Spitzenreiter Frankreich mehr als 700 MW installierte Fernkälteleistung aufweist, verfügen Deutschland und Finnland über Fernkälte im Ausmaß von rund 250 MW, Italien über etwa 200 MW und Norwegen über rund 150 MW.

Steigender Bedarf an Fernkälte

Aufgrund der Klimaerwärmung rechnet Mock „mit einem starken weiteren Anstieg des Fernkälteabsatzes“. Denn das Temperaturniveau wird mittelfristig weiter steigen. Tage über 30 und 35 Grad  werden sich häufen. Weitere Gründe für die steigende Fernkältenachfrage vor allem in Ballungszentren sieht er in Gebäuden mit großflächiger Verglasung. Aber auch die zunehmenden Komfortwünsche von Konsumenten, die die geräuscharme Fernkälte gegenüber surrenden Klimageräten bevorzugen, unterstützen den Fernkälte-Trend.

Laut Mock wird Europa in 20 Jahren in etwa so viel Kühlenergie wie Heizenergie benötigen und Fernkälte stellt dabei eine wichtige Energieeffizienzmaßnahme dar: Denn Industrie- und Großkunden nützen Fernkälte über das gesamte Jahr, beispielsweise zum Kühlen von technischen oder medizinischen Geräten, Servern, Großküchen oder Laboratorien im Winter sowie zum Klimatisieren von Bürogebäuden, Spitälern oder Einkaufszentren im Sommer.

Weniger Stromverbrauch

Durch den Einsatz von Fernkälte kann der hohe Stromverbrauch von konventionellen Kühlgeräten maßgeblich reduziert werden. Ein weiterer Vorteil: Fernkälte gilt im Vergleich zu herkömmlichen Klimageräten als besonders sauber und umweltfreundlich, da sie weniger CO2-Emissionen verursacht.

Über Fernkälte

Fernwärme wird im Sommer ebenso wie im Winter zur Wärmeversorgung und Warmwasseraufbereitung erzeugt und gleichzeitig zur Herstellung der umweltfreundlichen Fernkälte eingesetzt. Dieselben Energiequellen, die für die Erzeugung von Fernwärme benutzt werden, kann man auch als Antriebsenergie für Kältemaschinen verwenden. Sogenannte „Absorptionskältemaschinen“ nutzen Abwärme aus Industrie, KWK-Anlagen oder Abfallverbrennung, die das ganze Jahr zur Verfügung stehen. Wie bei der Fernwärme, werden die Objekte zentral versorgt (oder auch dezentral, dann wird eine Kältezentrale beim Verbraucher errichtet). Isolierte Rohre transportieren das auf 6 Grad Celsius gekühlte Wasser zum Kunden, mit etwa 16 Grad Celsius fließt es zur neuerlichen Abkühlung wieder zurück.

Quelle: Fachverband der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen (FGW)

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