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21.10.2016

Zehn Jahre Fernkälte in Wien

Fernkälte-Zentrale Schottenring

Der Bedarf an umweltfreundlicher Kühlung, etwa für Büros, Geschäfte und Spitäler, nimmt stetig zu. Bis 2020 soll die Fernkälte-Leistung um 15 bis 20 Megawatt jährlich ausgebaut werden.

"In 20 Jahren werden wir genauso viel Kühlenergie benötigen wie Heizenergie", sagte Michael Mock, Geschäftsführer des Fachverbands der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen, im Vorjahr. Der Bedarf an umweltfreundlicher Kälte stieg seit 2012 jeweils um 20 Prozent, der Absatz in Österreich nahm 2015 gegenüber 2014 um knapp 30 Prozent zu. "Die Zukunft gehört der Fernkälte als  umweltschonende Alternative zu herkömmlichen Methoden der Klimatisierung", so Mock weiter.

Das weiß man auch bei Wien Energie, wo seit mittlerweile zehn Jahren Fernkälte erzeugt und der Bereich auch weiterhin kontinuierlich ausgebaut wird. Der Vorteil von Fernkälte: Sie kühlt effizient, ohne Energie zu verschwenden. Zudem entstehen bei der Produktion kaum schädliche Emissionen wie etwa CO2. Während herkömmliche Kühlsysteme wie Klimaanlagen einen sehr hohen Verbrauch an zugeführten Brennstoffen aufweisen, ist es bei Fernkälte im Vergleich nur ein Zehntel. Gewonnen wird Fernkälte aus Abwärme, die beim Verbrennen von Abfällen in den Anlagen Spittelau, Flötzersteig, Simmeringer Haide und Pfaffenau, aus der Stromerzeugung sowie aus anderen Quellen entsteht. Die Abwärme wird in Kältezentralen geleitet und treibt dort Absorptionskältemaschinen an. Diese Kälteanlagen finden sich zumeist in unmittelbarer Nähe der oder direkt bei den Kundinnen. Gegenüber konventionellen Klimaanlagen spart diese Lösung massiv Primärenergie und zum Beispiel das Zweieinhalbfache an CO2 ein. Besonders während der Sommermonate, wenn nicht geheizt wird, kann die überschüssige Abwärme gut zur Fernkälte-Produktion genützt werden und die Energie so optimal verwendet werden. Fernkälte wird aber das ganze Jahr über erzeugt, denn auch in der kalten Jahreszeit wird sie benötigt, etwa zur Kühlung von Serverräumen.

"Wiens größter Kühlschrank" am Schottenring

Inzwischen versorgen in Wien 13 Fernkälte-Zentralen mit einer jährlichen Leistung von rund 100 Megawatt die stetig wachsende Zahl an Großkundinnen. Denn gerade Bürokomplexe, Gewerbeimmobilien, Hotels und Krankenhäuser, aber etwa auch Serverräume, sind von einer funktionierenden Klimatisierung abhängig und profitieren von der energieeffizienten,  umweltfreundlichen und kostensparenden Klimatisierung.

Mit Fernkälte beliefert Wien Energie unter anderem das Allgemeine Krankenhaus, das Sozialmedizinische Zentrum Ost, den Hauptbahnhof samt ÖBB-Verkehrsstation und  Konzernzentrale, den Erste Campus, das Sonnwendcenter und das Hotel Five, außerdem die Universität für Bodenkultur, den Stadtteil TownTown, den Radiosender Ö3 und die Österreichische Nationalbank. Alleine die Leistung des Fernkälte-Anschlusses beim Allgemeinen Krankenhaus beträgt zwölf Megawatt, was eine jährliche Einsparung von rund 5.000 Tonnen CO2 bedeutet.

2013 ging mit der Fernkälte-Zentrale Schottenring "Wiens größter Kühlschrank" ans Netz. Mit einer Gesamtleistung von 15 Megawatt ist die Anlage ähnlich dimensioniert wie die Fernkälte-Zentrale in der Spittelau. Sie hat eine Kühlleistung von umgerechnet 100.000 im Handel erhältlichen Kühlschränken, 25.000 Menschen profitieren insgesamt von umweltfreundlicher Kühlung. Voraussichtlich bis Mitte 2017 soll die Kältezentrale Spittelau von 17 auf 21 Megawatt ausgebaut werden. Ein Ausbau der Kältezentrale am Hauptbahnhof soll bis 2017 erfolgen.

Der jährliche Zuwachs an Verrechnungsanschlusswerten bei Wien Energie beträgt bis zu 20 Megawatt, was einer klimatisierten Fläche von bis zu 400.000 Quadratmetern entspricht. Um dem stetig steigenden Bedarf nachzukommen, ist bis 2020 ein Ausbau der Fernkälte-Leistung um 15 bis 20 Megawatt jährlich geplant. Das entspricht der Kühlleistung von 100.000 bis 130.000 herkömmlichen Kühlschränken.

Absorptionskältemaschinen

Wärme kommt in Absorptionsmaschinen zum Einsatz, um Fernkälte zu erzeugen. Sie ersetzt Strom als Antriebsenergie, spart Treibhausgase ein und ist so besonders sauber.

Kompressionskältemaschinen

Diese Technologie ist mit dem Kälteerzeugungssystem eines konventionellen Kühlschranks vergleichbar und wird am häufigsten zur Kältegewinnung verwendet. Diese Maschinen benötigen Strom als Antriebsenergie und kommen bei Wien Energie nur zur Spitzenlastabdeckung zum Einsatz.

Fernkälteleitungen

Der Transport von Fernkälte erfolgt unterirdisch in gedämmten Stahlrohren oder sogenannten PE-Rohren. Diese weisen kaum Verluste auf und sind dadurch hocheffizient.

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